iPhone Duo im Test: Außendisplay zu klein, Apps noch nicht so weit – spaßig, aber die meisten sollten noch warten

·von TechRitual Editorial·Aktuelle Nachrichten
iPhone Duo im Test: Außendisplay zu klein, Apps noch nicht so weit – spaßig, aber die meisten sollten noch warten

Das iPhone Duo ist womöglich Apples interessantestes und riskantestes Produkt der letzten Jahre. Seit das iPhone X den Home-Button abgeschafft hat, hat sich beim iPhone fast zehn Jahre lang nichts Grundlegendes an Form oder Bedienung geändert; das diesjährige iPhone 18 Pro mag bei Kühlung und variabler Blende zugelegt haben, unterscheidet sich insgesamt aber kaum vom 17 Pro. Das iPhone Duo ist völlig anders: Es zwingt die Nutzer, neu darüber nachzudenken, wie man ein iPhone hält und wie man es benutzt. Das Problem: Es ist auch Apples unaufgeräumtestes Erstprodukt seit langem, und mit einem Einstiegspreis von 2.000 US-Dollar für die 256-GB-Version und 3.200 US-Dollar für die 2-TB-Version ist es derzeit im Grunde nur für Tech-Fans und Early Adopter wirklich geeignet.

Apples kühnste Entscheidung ist das breite Design im Passformat, bei dem Innen- und Außendisplay dasselbe Verhältnis von 1,4:1 nutzen. Dieses Verhältnis ist für Displayberechnungen und die App-Anpassung sehr clever, weil das Bild vor und nach dem Aufklappen dieselbe Form hat; der Preis dafür ist ein Außendisplay mit nur 5,4 Zoll, was sich im Vergleich zu den heutigen großflächigen Smartphones mit oft 6,7 Zoll und mehr anfühlt, als hielte man in einer Pro-Max-Welt ein iPhone 5 in der Hand.

iPhone Duo im Test: Mattes Innendisplay überzeugt, Außendisplay und Tasten sind umstritten

Das 7,6 Zoll große Innendisplay setzt auf eine Nanotextur-Mattierung; auf den ersten Blick wirkt es sogar wie eine Schutzfolie, die man eigentlich abziehen müsste, doch tatsächlich ist der Eindruck sehr solide und deutlich hochwertiger als bei Faltgeräten wie dem Pixel Fold, die glänzen, sich weich anfühlen und eine deutliche Falte zeigen – selbst die leichte Falte des Galaxy Z Fold 8 ist besser zu erkennen. Apple bezeichnet die Falte als „wahrnehmbar flach“, was so viel heißt wie: Die meiste Zeit sieht man sie nicht. Beim Darüberstreichen mit dem Finger ist sie allerdings weiterhin zu spüren, und bei schrägem Blick auf weiße Flächen oder unter bestimmten Lichtverhältnissen wird sie ebenfalls sichtbar – beim Filmen sogar noch deutlicher. Die Kamera unter dem Innendisplay spiegelt sich im Freien oder bei hellem Umgebungslicht und ist dann recht gut zu erkennen. Zum Glück treten Falte und Kamera unter dem Display nach einer Woche ständigen Auf- und Zuklappens allmählich in den Hintergrund und stören nicht weiter; die langfristige Haltbarkeit bleibt jedoch abzuwarten.

Umstritten ist das Außendisplay. Apple zufolge entspricht seine Fläche etwa 90 Prozent der des iPhone 18 Pro, doch in der Praxis ist es ziemlich beengt: Tippt man in Messages mit eingeblendeter Tastatur, bleiben oft nur zwei oder drei Nachrichten sichtbar. Aktualisierte Apps verschieben die Bedienelemente nach rechts und schaffen so mehr vertikalen Platz, doch für Linkshänder ist die Einhandbedienung fast nur möglich, wenn man das Gerät „ausbalanciert“; bei nicht aktualisierten Apps wird die Anzeige verkleinert und ein schwarzer Streifen bleibt daneben stehen – und derzeit trifft das auf die meisten Apps zu. Das Ergebnis: Jedes Mal, wenn man es aus der Hosentasche holt, bietet das Außendisplay nur wenige Informationen, und für ernsthafte Arbeit klappt man es ohnehin auf – was einen gewissermaßen sogar davon abhält, gelangweilt durch Instagram und TikTok zu scrollen.

Weil Innen- und Außendisplay dasselbe Verhältnis haben, zeigt das Duo aufgeklappt ein Querformat, doch die meisten Smartphone-Apps sind für hochkant gehaltene große Displays ausgelegt, sodass man das Gerät beim Aufklappen instinktiv erst einmal dreht. Im Test erwies sich eine Drehung gegen den Uhrzeigersinn als angenehmer – Kamera oben, Lautstärketasten oben links – doch diese Ausrichtung widerspricht der Intuition: Mit dem offiziellen Bumper-Case von Apple wirken die Aussparungen für Touch ID und Kamerataste, als müssten sie unten sein, sodass man das Gerät leicht falsch herum hält. Da es kein Face ID gibt, muss man Touch ID oft suchen; der praktischste Trick ist, mehrere Finger zu registrieren, etwa beide Zeigefinger und beide Daumen, damit man in jeder Haltung draufdrücken kann.

  • Die Lautstärketasten drehen sich nicht mit der Bildschirmausrichtung mit; standardmäßig leiser ist die obere Taste. In iOS gibt es eine versteckte Einstellung, mit der sie sich an die Ausrichtung anpasst, doch sie greift erst, wenn man die Option „deaktiviert“ – ziemlich verwirrend
  • Das Gehäuse ist kleiner als bei aktuellen Mainstream-Smartphones; beim Telefonieren am Ohr wirkt es sehr winzig, und im Tablet-Modus kann man nur über den Lautsprecher telefonieren
  • Die Tasten sind zu minimalistisch gestaltet, ihre Position ist schwer zu erkennen; eigentlich wünscht man sich, Apple hätte sie größer und deutlicher gemacht

App-Unterstützung und Multitasking: Drei App-Kategorien im Mix – und je eigene Kompromisse gegenüber dem Galaxy Z Fold 8

Apple hat nicht den einfachsten Weg gewählt, nämlich beim Aufklappen einfach ein iPad daraus zu machen, sondern eine eigene Oberfläche neu entworfen. Der Vorteil: Man schleppt nicht den Ballast der iPad-Historie mit. Der Nachteil: Viele Probleme, die das iPad längst gelöst hat, tauchen wieder auf. So unterstützt das Duo etwa nicht das Verkleinern der Tastatur per Pinch-Geste für einhändiges Tippen; hält man das Gerät im Tablet-Modus mit einer Hand, muss man manchmal wirklich mit der Nasenspitze auf den Bildschirm tippen. Beim Multitasking kann man im Querformat nach oben und dann zur Seite wischen, um zwei Apps links und rechts anzuheften; ein Tipp auf die Trennlinie in der Mitte gruppiert sie, und im App-Umschalter bringt ein Tipp sie zurück. Im Hochformat gibt es dagegen praktisch keinen Split-Screen – die einzige Ausnahme ist ein Video oben und eine App zum Scrollen unten, und dafür braucht man eine App mit Hintergrundwiedergabe: Video starten, App schließen, dann in einem schwebenden Fenster eine kleine Taste drücken. Der Ansatz ist neu, aber die Oberfläche gibt darauf keinerlei Hinweis.

Derzeit lassen sich die Apps grob in drei Kategorien einteilen, deren Praxis-Erfahrung sich stark unterscheidet:

KategorieVerhaltenBeispiele
Nicht aktualisierte iPhone-AppsWerden klein angezeigt wie eine iPhone-App auf dem iPad, lassen sich vergrößern und drehen, wirken aber seltsamDerzeit die Mehrheit, etwa TikTok
Nur auf iOS 27 aktualisiertWerden automatisch gestreckt und füllen das Innendisplay, sind aber nicht fürs Duo gestaltet; rechts bleibt ein schwarzer StreifenGmail zeigt Posteingang und Mail nicht gleichzeitig; in Lightroom ist das Bearbeitungsfenster klein und die Bedienleiste verdeckt das Foto
Speziell fürs Duo optimiert (iOS 27.1)Nutzen beide Displays voll aus, praktisch und schön anzusehenInstagram Edits, Flighty, Netflix, Books, Apple TV

Gut optimierte Apps sind wirklich beeindruckend. Instagram Edits etwa entfaltet sich zu einem vollwertigen Videoschnittprogramm mit großer Timeline und Vorschaufenster; Flighty zeigt auf dem Innendisplay eine große Karte; Netflix nutzt sogar den Scharniersensor, sodass sich Reflexionen im Bild mit dem Öffnungswinkel verändern; und auch die Umblätteranimation in Books ist hervorragend. Beim Video-Schauen vergrößert das System selbst nicht aktualisierte Apps wie Disney+ automatisch auf die volle Bildschirmgröße, HDR-Highlights und der Lautsprecherklang sind ordentlich – und das Querformat beim Aufklappen könnte Querformat-Videos sogar wieder populärer machen. Wer allerdings erwartet, dass ihn beim Aufklappen gleich ein komplettes iPad-App-Ökosystem erwartet, wird enttäuscht: Mit Slack, PDF und Google Docs unterwegs Dokumente zu erledigen macht auf dem matten großen Display beim PDF-Lesen zwar viel Freude, doch der gesamte Ablauf ist ähnlich chaotisch wie bei Android-Faltgeräten.

Im Vergleich zum direkten Konkurrenten Galaxy Z Fold 8: Beide sind breite Faltgeräte, doch das Außendisplay des Fold 8 ist etwas höher und schmaler und lässt sich deutlich angenehmer einhändig nutzen. Apple beharrt beim Außendisplay auf einer Bedienleiste rechts, Samsung lässt die Inhalte die volle Breite einnehmen, und bei der Tastatur gibt es Optionen für Einhandbetrieb sowie für schwebende, in der Größe anpassbare Tastaturen. Andererseits unterstützt das Duo mehr halb aufgeklappte Positionen: Im Zeltmodus lässt es sich als Uhr oder digitaler Bilderrahmen nutzen, wobei das Innendisplay als Wecker ein sanftes Licht abgibt, und im Laptop-Modus kann man auf der einen Hälfte des Innendisplays Videos schauen – das unterstützt das Fold 8 wiederum nicht, was vermutlich daran liegt, dass das Scharnier in diesen Winkeln nicht fest genug hält.

  • Das Fold 8 ist deutlich leichter und dünner und fällt bei längerer Nutzung und in der Hosentasche weniger auf
  • Das Duo ist mit IP68 staub- und wasserdicht, das Fold 8 nur mit IP48 und damit nicht vollständig staubdicht; beide sollte man besser vom Strand fernhalten
  • Das Duo unterstützt MagSafe, das Fold 8 nicht – magnetische Powerbanks, Auto-Halterungen und magnetische Ladestationen überall zu Hause lassen sich direkt nutzen
  • Apple verlangt wie immer, dass man es auf seine Art nutzt, und je tiefer man im Apple-Ökosystem steckt, desto besser funktioniert es; Samsung ist bei Seitenverhältnissen und Tastaturposition weniger streng

iPhone Duo im Test: Bei Akku, Wärme und Kamera muss man Kompromisse machen – wer sollte zugreifen?

Die Ausdauer hängt davon ab, wie oft man das große Display aufklappt. Wer im Arbeitsalltag Slack, Google Docs und Safari nutzt und zwischendurch Streaming-TV, Instagram und TikTok schaut, muss einmal am Tag zusätzlich laden – ähnlich wie sonst mit einem Pro Max. Eine andere Testperson war mehr unterwegs und nutzte vor allem über Wi-Fi Videos und soziale Netzwerke: Nach etwa 6,5 Stunden Bildschirmzeit waren noch 30 Prozent Akku übrig, was ordentlich ist. Insgesamt hält das Duo bei intensiver Nutzung kaum einen Tag durch, und da iPhone-Akkus nach einem Jahr erfahrungsgemäß nachlassen, dürfte das Duo keine Ausnahme sein.

Bei der Leistung: Der A20 Pro macht zusammen mit der gleichen verbesserten Vapor-Chamber-Kühlung wie im iPhone 18 Pro die alltägliche Bedienung sehr flott, doch letztlich treibt ein dünnes Gehäuse zwei große Displays an. Drittanbieter-Apps, insbesondere die von Google, lassen das Gerät warm werden oder sogar heiß; noch besorgniserregender ist die längere Nutzung der Kamera, besonders von Funktionen, die Kamera und beide Displays gleichzeitig beanspruchen, etwa die Dual-Screen-Vorschau und Kid Cue, zusammen mit Smart Take, das bei erkannter guter Pose automatisch auslöst. Dann wird das Gerät deutlich heiß und fängt anschließend an zu ruckeln.

PunktiPhone DuoVergleich
Preisab 2.000 US-Dollar für 256 GB, 3.200 US-Dollar für 2 TBdas teuerste iPhone
DisplaysAußendisplay 5,4 Zoll glänzend; Innendisplay 7,6 Zoll Nanotextur-matt, beide 1,4:1Außendisplayfläche etwa 90 Prozent des iPhone 18 Pro
ProzessorA20 Pro, Vapor-Chamber-KühlungKühldesign auf Niveau des iPhone 18 Pro
HauptkameraSensor auf Niveau des iPhone Air, 2-fach-Crop, bis zu 10-facher Digitalzoomkleiner als beim 18 Pro, kein Teleobjektiv
Ultraweitwinkel48 Megapixelsolide Leistung
Selfie12 Megapixel Center Stage am Außendisplay; unter dem Innendisplay ca. 4 Megapixel18 Pro: 18 Megapixel
VideoHauptkamera bis 4K 120p, Kinomodus nach der Aufnahme anwendbar—
HaltbarkeitIP68Fold 8: IP48
EntsperrungTouch ID, kein Face ID—

Die Kamera ist einer der größten Kompromisse des Duo. Der Sensor der Hauptkamera ist kleiner als im 18 Pro und etwa auf dem Niveau des iPhone Air; für Schnappschüsse im Alltag reicht das völlig, und das Duo gleicht mit stärkerer Nachschärfung aus, sodass der Abstand bei aktiviertem Nachtmodus noch geringer wird. An manuellen Einstellungen gibt es nur Weißabgleich und manuellen Fokus, keine Verschlusszeit und keine variable Blende; das größte Zugeständnis ist das fehlende Teleobjektiv – es bleibt bei 2-fach-Crop und maximal 10-fachem Digitalzoom, was weniger flexibel ist als ein Barren-Smartphone zum halben Preis. Auch die 12-Megapixel-Center-Stage-Selfiekamera am Außendisplay gleicht die Auflösung durch übermäßiges Nachschärfen aus; die rund 4-Megapixel-Kamera unter dem Innendisplay ist bei gutem Licht brauchbar, bei schwachem Licht aber schlecht und reicht gerade so für Videoanrufe.

Doch die Faltform bringt auch Einsatzmöglichkeiten mit sich, die ein Barren-Smartphone nicht bietet. Dreht man das Gerät um und fotografiert mit der Hauptkamera, wird die Camera Control endlich richtig nützlich, denn die Lautstärketasten sitzen direkt neben der Linse und man verdeckt sie beim Drücken leicht; Kid Cue spielt auf dem Außendisplay eine Snoopy-Animation ab, damit die Kleinen in die Kamera schauen – da die Hauptkamera zum Einsatz kommt, blicken die Kinder etwas am Objektiv vorbei, aber für Kinderfotos reicht das allemal. Bei FaceTime lassen sich Vorder- und Rückkamera gleichzeitig streamen, und wenn zwei Duos miteinander telefonieren, erscheinen sogar vier Bilder gleichzeitig – herrlich chaotisch. Man kann es auch im Laptop-Modus aufstellen oder wie ein Buch hinstellen, um Zeitrafferaufnahmen zu machen. Schade nur, dass sich beim halben Aufklappen das Sucherbild nicht auf die untere Displayhälfte verlegen lässt, um es als Bauchsucher zu nutzen. Außerdem gibt es bei den Photographic Styles neue Regler für die Textur – wer einen Filmlook will, sollte sie ausprobieren.

Zu den Details: Auch Apples offizielle Hüllen wirken wie ein Erstprodukt. Das Bumper-Case verdeckt ein wenig vom Außendisplay, sodass man in den Einstellungen das ohnehin schon kleine Außendisplay manuell noch weiter verkleinern muss; der Standfuß des Folio-Case ist praktisch, doch beim Öffnen rutscht es umher. Mit einem PopSocket lässt sich das Duo deutlich besser halten, und mit einer magnetischen MagSafe-Powerbank sieht es zwar etwas albern aus, funktioniert aber genauso gut; leicht angewinkelt auf dem Tisch ein Fußballspiel schauen oder mit einer portablen Tastatur zum Mini-Laptop werden – alles recht hübsche Anwendungen.

Zusammengefasst ist das iPhone Duo ein unvollständiges Produkt, als Konzept aber vollständig genug, um die Richtung der Zukunft zu zeigen – ähnlich wie das erste MacBook Air, das erst nach einem kompletten Redesign den Markt eroberte. Das Problem der Android-Faltgeräte ist, dass das Innendisplay nicht nützlich genug ist, um es überhaupt aufzuklappen; das Problem des Duo ist, dass das Außendisplay nicht nützlich genug ist, sodass man ständig aufklappen will – nur sind die Apps darauf nicht vorbereitet.

  • Keine Empfehlung: für normale Nutzer, die ein Smartphone wollen, das einfach funktioniert, und die nicht neu lernen möchten, wie man ein Handy hält
  • Keine Empfehlung: für Nutzer, denen Teleobjektiv, manuelle Kontrolle und Ausdauer wichtig sind
  • Keine Empfehlung: für Nutzer, die das Außendisplay oft einhändig nutzen, oder für Linkshänder, die sich an der Tastenposition stören
  • Erwägenswert: für Tech-Fans, die von aktuellen Smartphones todlangweilig sind, über das nötige Budget verfügen und bereit sind, mit Apple ein teures und chaotisches Falt-Experiment durchzustehen

Wer nicht zur letzten Gruppe gehört, sollte lieber eine Generation abwarten; vermutlich braucht es noch rund ein Jahr Feinschliff, bis das iPhone Duo wirklich ausgereift ist.

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