Apples erstes faltbares iPhone, das iPhone Duo, ist endlich da und startet bei 2,000 US-Dollar – damit ist es das teuerste iPhone überhaupt. Nach rund eineinhalb Wochen praktischer Nutzung passt kaum eine Beschreibung besser als diese: Die Verarbeitung ist extrem edel, der Kern aber noch etwas rau. Aufklapp-Animation, Scharniergefühl und die Qualität des Innendisplays bewegen sich auf sehr hohem Niveau, doch das Gehäuse ist recht dick und schwer, zahlreiche Apps sind nicht optimiert, und Face ID fehlt – all das macht deutlich, dass hier ein Produkt der ersten Generation vorliegt.
Für alle, die faltbare Smartphones schon lange verfolgen, kommt das iPhone Duo eigentlich viele Jahre zu spät – rund acht Generationen hinter der ersten Falt-Welle von 2019. Für die große Masse der iPhone-Nutzer ist es jedoch das erste faltbare Gerät, das sie ernsthaft in Betracht ziehen. Deshalb hat Apple sehr viel Aufwand in die Software gesteckt, um Neueinsteigern zu vermitteln, dass man das Smartphone nur aufklappen muss und schon ein größeres Display vor sich hat – und genau das ist der beste Aspekt des gesamten Geräts.
iPhone Duo im Hardware-Test: Innendisplay und Scharnier sind die Highlights, das Gewicht ist der Preis dafür
Optisch besteht die Rückseite aus einer einzigen Glasfläche, die sich in einer Wölbung bis zur Kamerainsel zieht, auf der die beiden Linsen sitzen; der Rahmen ist aus poliertem Titan, fühlt sich sehr wertig an und zieht Fingerabdrücke geradezu magisch an. Beim Aufklappen verändert sich die Dämpfung des Scharniers: Zieht man die Magnete zunächst auseinander, braucht es etwas Kraft, danach öffnet es sich geschmeidig bis etwa zur Hälfte und wird dann wieder langsamer, sodass es in verschiedenen Winkeln stehen bleibt; das letzte Stück schnappt mit einem Klacken auf. Beim Zuklappen ist es genauso: erst etwas Kraftaufwand, dann ein knackiges Einrasten der Magnete. Dieses Gefühl macht richtig Spaß und macht es zu einem der stabilsten faltbaren Smartphones im halb geöffneten Zustand. Zusammen mit IP68 gegen Staub und Wasser ist das für ein Faltgerät Spitzenklasse – Spritzwasser oder das schnelle Einstecken in die Tasche sind kein Problem, nur den Strand sollte man meiden, denn Faltgeräte haben schon immer Angst vor Sand.
Das Problem sind Dicke und Gewicht. Verglichen mit einem Samsung Z Fold 8 – ebenfalls ein Faltgerät im Passformat – ist Samsung inzwischen im achten Jahr angelangt, das Gehäuse ist deutlich dünner und rund zwanzig Prozent leichter. Das Z Fold 8 hat flachere Seiten und lässt sich leichter aufhebeln als die runde, glatte Titanseite des iPhone Duo. Das iPhone Duo fühlt sich in der Hand wirklich solide an, und bei einem Preis von über 2,000 US-Dollar darf man das auch erwarten, doch nach ein bis zwei Wochen Dauerbetrieb wünscht man sich sehnlichst, es wäre 20 Prozent leichter. Apples Design aus Vollmetall und Glas funktioniert beim MacBook Pro problemlos, doch bei Vision Pro, AirPods Max und eben diesem Faltgerät wird das Gewicht allmählich zur Last – es fühlt sich an wie das erste Pixel Fold: die Richtung stimmt, aber etwas dicker und schwerer als erwartet.
Auch bei der Tastenanlage gibt es kleine Eigenheiten. Das Gerät ist erkennbar für Rechtshänder ausgelegt, der Daumen landet ganz natürlich auf der Power-Taste mit Fingerabdrucksensor; die Camera Control sitzt in einer kleinen Aussparung unten rechts und ist damit etwas weit weg; die Lautstärketasten mussten wegen Platzmangels auf der rechten Seite an die Oberseite wandern. Ab Werk läuft iOS 27.1, ein Zug vom oberen rechten Rand öffnet das Kontrollzentrum, ein Zug aus der Mitte ruft Siri auf, und für die Mitteilungen muss man ganz oben links ziehen – selbst mit großen Händen braucht es da etwas Fingergymnastik.
Was wirklich überhaupt nicht nach erster Generation wirkt, ist das 7,6 Zoll große Innendisplay. Das OLED-Panel unterstützt 120 Hz, erreicht wie das Außendisplay 3.000 nits und verfügt über eine Nano-Textur-Mattierung – die ohnehin kaum sichtbare Falte wird damit praktisch unsichtbar, und der Finger gleitet sehr geschmeidig darüber. Die Mattierung kostet Text und Bilder minimal Schärfe, in der Praxis wirkt es aber nie schlecht, und die Entspiegelung ist hervorragend; hält man es hochkant, fühlt es sich an wie ein iPad mini. Die unter dem Innendisplay verbaute Selfie-Kamera ist dagegen ein anderes Thema: Die Fotoqualität ist schlicht schlecht, bei Videoanrufen wird es etwas besser – offensichtlich ein Kompromiss, den Apple für ein durchgehendes Innendisplay ohne Aussparung eingegangen ist.
Akku und Leistung sind dagegen eine positive Überraschung. Das iPhone Duo nutzt Akkus, die auf beide Gehäusehälften verteilt sind und zusammen rund 4.900 mAh ergeben; zusammen mit dem 2-nm-Chip A20 Pro liegt die Leistung etwa auf dem Niveau des iPhone 17 Pro, der Verbrauch ist aber sehr niedrig. Rechnet man mit etwa 75 Prozent zugeklappter und 25 Prozent aufgeklappter Nutzung, reicht eine Ladung locker für einen ganzen Tag; selbst bei häufig hoher Helligkeit bleiben am Feierabend meist über 30 Prozent übrig. Mehr Nutzung des großen Displays kostet etwas mehr Strom, der Unterschied ist aber gering.
| Merkmal | iPhone Duo in der Praxis |
|---|---|
| Innendisplay | 7,6 Zoll OLED, 120 Hz, 3.000 nits, Nano-Textur-Mattierung |
| Prozessor | 2-nm A20 Pro, Leistung nahe iPhone 17 Pro |
| Akku | ca. 4.900 mAh (auf beide Hälften verteilt), bei normaler Nutzung über 30 Prozent Rest |
| Rückkameras | 48 MP Hauptkamera + Ultraweitwinkel, kein Tele |
| Video | 4K 30fps, kein ProRes, kein Log |
| Entsperrung | Fingerabdrucksensor in der Power-Taste, kein Face ID |
| Robustheit | IP68 gegen Staub und Wasser |
| System | iOS 27.1 |
Bei den Kameras gibt es hinten eine 48-MP-Hauptkamera plus Ultraweitwinkel. Der Sensor der Hauptkamera dürfte derselbe sein wie im iPhone 17e und nicht der des iPhone Air; bei gutem Licht sehen die Aufnahmen ebenso gut aus, doch sobald das Licht schlechter wird, muss die ISO früher hochgezogen werden und Bildrauschen tritt früher auf. Verglichen mit dem 17e und dem 18 Pro bei schwachem Licht liegt die Bildqualität deutlich näher am 17e. Ohne Tele wird jeder Zoom über 4-fach merklich schlechter als bei den Pro-Modellen. Video gibt es nur in 4K 30fps, kein ProRes, kein Log – für Aufnahmen draußen völlig ausreichend, wer aber professionelle Werkzeuge zum iPhone-Filmen will, wird es nicht wählen.
Bei der Kamera gibt es ein paar unterhaltsame Funktionen, die erwähnenswert sind:
- Rückdisplay-Vorschau: Ein Druck auf die Taste an der Oberseite zeigt das Sucherbild auf dem Außendisplay, sodass die fotografierte Person die Komposition live sehen und Anweisungen geben kann – kein fünf- oder sechsmaliges Nachfotografieren mehr
- Kid Cue: Auf dem Außendisplay läuft eine bunte Animation im Snoopy-Stil, die Kinder dazu bringt, zum Smartphone zu schauen
- Selfie-Modus: Auf der Rückseite gibt es eine verschiebbare Kamerasteuerung; ein Wischen genügt, um mit der hinteren Hauptkamera ein Selfie zu machen, wobei das Rückdisplay automatisch deaktiviert wird, um versehentliche Berührungen zu vermeiden
Bei den Schutzhüllen hat Apple offiziell zwei Modelle vorgestellt: Die 130 US-Dollar teure Folio-Hülle haftet magnetisch an der Rückseite und klappt nach vorn über, um das Display zu bedecken; sie hat einen integrierten Ständer, lässt aber den Rahmen komplett frei. Die Silikonhülle besteht aus zwei Teilen für Vorder- und Rückseite, der Scharnierbereich bleibt dabei jedoch ungeschützt. Wer Wert auf Langlebigkeit legt, sollte zu einer Drittanbieter-Hülle mit Scharnierschutz greifen.
Nicht optimierte Apps und Verzögerung beim Fingerabdruck: die größten Schwächen derzeit
Das Designkonzept des iPhone Duo im zugeklappten Zustand ist ziemlich clever: Links läuft die normale iPhone-Oberfläche, und alle Schaltflächen, die sonst oben und unten sitzen, wandern nach rechts, wo der rechte Daumen sie erreicht. Das Dock des Homescreens ist nach rechts gerückt, Uhrzeit, Akkustand und Empfang sind zu einem kleinen Symbol rechts zusammengefasst; Apples eigene Apps folgen dieser Logik – Inhalte links, Buttons rechts – und sind damit ein Musterbeispiel für optimierte Apps.
Das Problem: Die meisten Third-Party-Apps ziehen noch nicht mit. Große Apps wie Spotify, Google Maps, Waze, Discord, Twitter oder Google Calendar zeigen im zugeklappten Zustand weiterhin die alte Oberfläche, die Buttons bleiben oben und unten, rechts bleibt ein schwarzer Balken. Aufgeklappt erscheint bei vielen weiterhin eine kleine iPhone-App in der Mitte des großen Displays – wie in der iPad-Zeit, als man auf 2x tippen musste. Spotify und Flighty dehnen sich immerhin ein wenig, sind aber offensichtlich nicht für das Duo optimiert. Die gute Nachricht: Instagram und Carrot Weather sind bereits aktualisiert – zugeklappt liegen die Buttons rechts, aufgeklappt entsteht eine Zweispaltenansicht. Vermutlich werden in etwa einem halben Jahr die meisten großen Apps nachziehen, manche aber wohl nie, etwa der eingestellte Arc-Browser fürs Smartphone.
Während des Tests gab es auch ein paar kleine Aussetzer, vor allem bei der Übergangsanimation zwischen Auf- und Zuklappen: Öffnet man bewusst langsam oder tippt in halb geöffnetem Zustand aufs Display, muss das System gleichzeitig Scharnierwinkel, Richtung und die Frage, ob StandBy aktiviert werden soll, bewerten – manchmal wird das etwas durcheinander, beim normalen schnellen Auf- und Zuklappen gibt es aber kaum Probleme.
Die größte Auswirkung auf den Alltag hat dagegen eine bewusste Designentscheidung: Weil das Gehäuse zu dünn für Face ID ist, setzt das iPhone Duo auf einen Fingerabdrucksensor in der Power-Taste – doch Apple baut bei jedem Entsperren eine kurze Verzögerung ein. Legt man den registrierten Finger auf, bleibt der Bildschirm erst einen Moment im Sperrbildschirm stehen, damit man Benachrichtigungen sehen kann; erst wenn man weiter drückt, wird entsperrt. Der Gedanke dahinter ist, Neueinsteiger zu schonen, doch wer Face ID als sofortige Entsperrung gewohnt ist, empfindet den Fingerabdruck als langsam – und eine Option zum Abschalten gibt es derzeit offenbar nicht. Schneller geht es, wenn man zuerst das Display weckt, nach oben wischt und dann den Finger auflegt, denn dann wird fast sofort entsperrt. Wer von einem anderen iPhone umsteigt, dürfte sich am wenigsten an fehlendem Tele oder am Gewicht stören, sondern am fehlenden Face ID.
iPhone Duo im Test: Für wen lohnt es sich?
Kommen wir zu dem, was das iPhone Duo wirklich gut macht: zwei Apps nebeneinander links und rechts. Auf der einen Seite ein Tutorial-Video, auf der anderen Notizen machen; auf der einen Seite ein Videoanruf, auf der anderen Dokumente ansehen; oder den Verifizierungscode aus der E-Mail direkt in das Login-Feld auf der anderen Seite kopieren – hat man das einmal genutzt, nutzt man es immer häufiger. Ein Tipp auf die Trennlinie in der Mitte verbindet die beiden Apps zu einem Paar, das optisch wie ein Buch wirkt, und öffnet man danach eine davon, erscheinen beide zusammen. Jede Seite kann eigenständig zum Homescreen zurückkehren und eigenständig zwischen zuletzt genutzten Apps wechseln, die Bedienung ist sehr intuitiv – derzeit allerdings maximal zwei Apps zu je einer Hälfte, ein drittes Fenster gibt es nicht.
Auch der halb geöffnete Zustand ist eine Stärke. Beim Tippen faltet man das Smartphone halb, und die Tastatur teilt sich automatisch auf beide Seiten auf, damit man nicht die Falte in der Mitte trifft; stellt man es als Zelt auf, wechselt es auch ohne Stromkabel automatisch in den StandBy-Modus, zeigt hochkant zwei anpassbare Ansichten und quer Uhr, Wetter oder Kalender in großformatigen Ansichten – liegt es auf dem Tisch und zeigt ständig Benachrichtigungen, muss man sich um den Akku keine Sorgen machen. Auch der Übergang zwischen Auf- und Zuklappen gelingt sehr flüssig: Schreibt man gerade eine E-Mail mit Anhang oder liest einen Artikel und klappt das Gerät auf, läuft das Bild sofort auf dem großen Display weiter – sogar eine Seite, die gerade gescrollt wird, scrollt einfach weiter. Bei der Kamera ist es genauso: Das Sensorformat entspricht dem Außendisplay, und quer entspricht das Innendisplay demselben Format, sodass das Sucherbild immer den Bildschirm füllt, ohne schwarze Balken.
Kurz gesagt ist das iPhone Duo ein iPad mini mit 120-Hz-OLED, das in die Hosentasche passt. Wer dazu passt und wer nicht, lässt sich so einteilen:
- Eher nicht: normale Nutzer, die täglich nur Nachrichten schreiben, in sozialen Medien unterwegs sind und gelegentlich im Internet surfen
- Eher nicht: iPhone-Filmer, die die beste Kamera und professionelle Video-Funktionen suchen
- Eher nicht: Nutzer, die ihr Smartphone häufig fallen lassen und es etwa alle neun Monate ersetzen
- Einen Gedanken wert: Nutzer, denen der Preis von 2,000 US-Dollar nicht allzu viel ausmacht, die das Faltkonzept mögen und Multitasking sowie Inhalte auf großem Display schätzen
Auch Apple kann die inhärenten Grenzen der Faltform nicht vollständig durch Ingenieurskunst überwinden: Akku, Lautsprecher und Kamera bleiben etwas schwächer als bei einem geraden Flaggschiff – das ist Physik. Doch mit edlen Animationen, einem hervorragenden Scharnier und einem sehr gut nutzbaren Innendisplay ist das iPhone Duo trotzdem ein sehr unterhaltsames Smartphone; hat man sich erst an das fehlende Face ID gewöhnt, macht es richtig Freude. Wenn die zweite Generation leichter wird, Face ID zurückbringt und das App-Ökosystem reift, hat sie gute Chancen, ein richtig gutes Faltgerät zu werden.
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