iPhone Duo im Härtetest: Scharnier, Sand und Verbiegen

·von TechRitual Editorial·Aktuelle Nachrichten
iPhone Duo im Härtetest: Scharnier, Sand und Verbiegen

Beim Thema Foldables macht einem nie die Helligkeit oder die Bildwiederholrate auf dem Datenblatt Sorgen, sondern die Frage, ob das Gerät im Alltag zerkratzt, ob sich Sand im Scharnier verfängt und ob ein kräftiges Biegen das Innendisplay zerstört. Das iPhone Duo ist Apples erstes faltbares Smartphone: Außen kommt Ceramic Shield 2 zum Einsatz, das Innendisplay erhält zusätzlich eine Nano-Textur-Beschichtung – auf dem Papier klingt das solide. Doch der Härtetest nimmt Hürde um Hürde, und das Ergebnis weicht deutlich von der Vorstellung ab, dass „wasserdicht gleich sanddicht" sei. Im Folgenden geht es von Kratzern auf dem Außendisplay über die Beschichtung des Innendisplays und Staub im Scharnier bis hin zu Verbiegung und Reparaturpreisen – damit du einschätzen kannst, ob dieses Gerät wirklich für den täglichen Gebrauch taugt.

Außen- und Innendisplay: Der Härteunterschied ist gewaltig, die Beschichtung verdeckt nur die Spuren

Die nach dem Zuklappen nach außen zeigende Displayfläche besteht aus Ceramic Shield 2, die Rückseite ebenfalls aus Ceramic Shield. Beim stufenweisen Test mit Standard-Kratzstiften zeigen beide Seiten erst ab einer Mohshärte von etwa 7 leichte Spuren; Schlüssel, Sandkörner und Fingernägel, wie sie im Alltag in der Jeanshosentasche stecken, hinterlassen auf dem Außendisplay praktisch keine sichtbaren Kratzer. Das entspricht in etwa dem Niveau aktueller Flaggschiff-Smartphones mit geradem Display – zusammengeklappt kann man es also relativ beruhigt in die Tasche stecken.

Beim aufgeklappten Innendisplay gilt eine völlig andere Logik. Apple gibt an, dass das flexible Panel in der Mitte aus rund zehn ultradünnen Schichten besteht, davon zwei aus ultradünnem Glas, und ganz oben zusätzlich eine matte Nano-Textur-Beschichtung. Im gleichen Kratztest zeigt das Innendisplay schon bei etwa Mohshärte 2 Spuren, und selbst ein leichter Fingernagelkratzer hinterlässt eine tiefere Rille – das ist bei anderen Foldables auf dem Markt ähnlich, denn ein flexibles Display ist nun einmal nicht dafür gebaut, sich mit starrem Glas zu messen. Der entscheidende Unterschied liegt in der Beschichtung: Ist das Display an und zeigt ein normales Bild, werden Kratzer und die Falte in der Mitte durch die matte Oberfläche optisch abgeschwächt und sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen; sobald das Display aus ist, treten die Spuren wieder zutage. Mit Isopropanol lassen sie sich nicht wegwischen, was bedeutet, dass es sich um echte physische Schäden handelt und nicht um vorübergehende Fettrückstände.

Ein weiteres praktisches Detail ist die gestaffelte Reparatur. Für den Fall, dass „nur die oberste Deckschicht beschädigt und das Display nie gebrochen ist", gibt Apple an, dass sich die Oberflächenschicht separat tauschen lässt, für rund 49 US-Dollar; ist die Pixelebene betroffen, muss das komplette Display getauscht werden, für rund 1.000 US-Dollar. Im Vergleich zu anderen Foldable-Marken, bei denen üblicherweise einmal innerhalb eines Jahres die Deckschicht kostenlos getauscht wird, verlangt Apple hier Geld – der Preis ist aber deutlich niedriger als ein kompletter Displaytausch. Manche würden die Nano-Textur gern selbst wegschleifen, um wieder satte Farben und mehr Transparenz zu bekommen, doch danach kehren die Blendungen zurück, und Apple betrachtet diese Schicht als Teil der Struktur und rät vom eigenmächtigen Entfernen ab – in der Praxis werden die meisten die Deckschicht einfach über den offiziellen Service tauschen lassen, statt selbst Hand anzulegen.

Sand im Scharnier und Verbiegen: Wasserdicht heißt nicht, dass das Scharnier nicht blockiert

Die Spezifikation nennt IP68, was leicht den Eindruck erweckt, alltäglicher Sand und Staub seien kein Problem. Schüttet man tatsächlich feinen Sand in die Scharnierspalte, sieht die Sache deutlich weniger rosig aus: Kleine Staubpartikel gelangen über die Lufteinlässe des Scharniers hinein, die Magnetkraft beim Zuklappen wird geschwächt, und das Gehäuse kann in einem halb geöffneten Zustand hängen bleiben und schließt nicht mehr sauber. Anders gesagt: Am Strand, auf Baustellen oder in einer Hosentasche, in der sich über längere Zeit Staub sammelt, bleibt das Scharnier der empfindlichste Eingang eines Foldables; der Wasserschutz gilt für das Eindringen von Flüssigkeiten ins Innere, nicht dafür, dass die Mechanik des Scharniers Sandkörner ignorieren kann.

Das Innendisplay misst etwa 7,6 Zoll, erreicht eine Spitzenhelligkeit von rund 3.000 Nits und eine Bildwiederholrate von 120 Hz; das Außendisplay kommt auf etwa 5,4 Zoll bei ähnlichen Panel-Werten. Beim Hitzekontakt-Test auf Einbrennen beginnt das Innendisplay bereits nach rund zehn Sekunden Schäden zu zeigen; das Außendisplay hält dank einer zusätzlichen Glasschicht für Wärmeableitung und Pufferung mehr als rund zwanzig Sekunden durch. Das ist kein Szenario aus dem Alltag, zeigt aber, dass die flexible Struktur empfindlicher auf Hitze und Druck reagiert. Der Biegetest ist noch direkter: Biegt man das Gehäuse mit beiden Händen entlang der kurzen Seite kräftig durch, wirkt das Metallgehäuse äußerlich zunächst unverändert, doch in der Mitte des Innendisplays erscheint bereits eine dauerhafte grüne Linie, die sich von der Mitte bis zum Rahmen zieht; biegt man erneut, werden aus der grünen Linie drei, und auch die Touchbedienung setzt aus. Der Tester kommt im Vergleich zu früheren Erfahrungen zu dem Schluss, dass bei den meisten Samsung-Foldables unter vergleichbarer Biegung seltener der Fall auftritt, dass „das Gehäuse noch heil ist, aber das Display zuerst stirbt", und räumt ein, nicht sicher zu sein, ob Sand im Scharnier die Struktur versteift hat oder ob die Steifigkeit des Scharniers selbst die Spannung auf dem Display bündelt. Wie auch immer die Ursache lautet, das Fazit bleibt dasselbe: Extremes Biegen ist kein Spielzeug für Stresstests, und auch im Alltag sollte man Platz lassen, wenn man sich hinsetzt und dabei auf der Hosentasche lastet oder das Gerät ganz unten in den Rucksack steckt.

Laden, Kameras und Originalhüllen: Die Alltags-Kompromisse auf einen Blick

Der Titan-Mittelrahmen auf der Rückseite wirbt mit rund 85 Prozent recyceltem Material, die Lautstärketasten sind an die oberen Seitenkanten gewandert, und Kamera-Steuerungstaste sowie Power-Taste lassen sich nicht ohne Weiteres entfernen. Die Kamerakombination besteht aus einer 48-Megapixel-Ultraweitwinkel- und einer 48-Megapixel-Hauptkamera, ohne Teleobjektiv; dazu ein einfarbiges LED-Licht. Bei Selfies setzt man auf der einen Seite auf die rund 12-Megapixel-Kamera im Außendisplay (ohne Face ID), auf der anderen auf die rund 4-Megapixel-Kamera unter dem Innendisplay – für Videoanrufe reicht das, bei Selfies mit hohen Ansprüchen an die Bildqualität stößt man jedoch deutlich an Grenzen. Beim kabelgebundenen USB-C-Laden liegt der gemessene Wert bei rund 35 W (die offizielle Angabe ist teils konservativer), kabellos über die Rückseite bei rund 25 W. Im Alltag lädt das Gerät nicht langsam, folgt aber nicht der bei Android-Flaggschiffen der letzten Jahre verbreiteten Devise „in einer halben Stunde voll".

Beim Original-Zubehör kostet die Folio-Ledertasche rund 130 US-Dollar und setzt vor allem auf eine „fliegender-Teppich"-Struktur, die die Außenseite des Scharniers abdeckt, während der Seitenschutz vergleichsweise gering ausfällt; die andere Variante, das Duo Case, kostet rund 80 US-Dollar und schützt die Seiten, umschließt aber nicht das Scharnier. Wer Scharnier und alle vier Kanten zugleich schützen will, muss im Grunde auf eine Drittanbieter-Lösung zurückgreifen oder akzeptieren, dass „die offizielle Hülle nur die Hälfte des Problems löst". Insgesamt betrachtet sind Außendisplay und Rückseite des iPhone Duo hart genug für den Alltag, das Innendisplay setzt auf eine Beschichtung, die „intakt aussieht und Spuren erst bei ausgeschaltetem Display zeigt", und der Preis für den Tausch der Deckschicht ist relativ freundlich; wirklich aufpassen muss man bei Sand im Scharnier und extremem Biegen – Ersteres lässt das Zuklappen versagen, Letzteres kann Touch und Anzeige schon zerstören, bevor sich das Gehäuse verformt. Geeignet ist es für Menschen, die die Wartungskosten eines Foldables bereits akzeptieren und das Gerät überwiegend drinnen und in sauberer Umgebung nutzen; wer häufig in staubiger Umgebung draußen unterwegs ist oder das Gerät kräftig in die Tasche stopft und belastet, sollte sich zuerst fragen, ob er diese Bauform wirklich braucht.

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